PRESSEMITTEILUNG: Pilotstudie: Kaltes Plasma zeigt vielversprechende Wirkung bei der Reduzierung von schweren Wundheilungsstörungen nach Gefäßoperationen
Köln/Greifswald. 18. März 2026. Universitätsklinik Köln veröffentlicht erste klinische Daten einer Pilotstudie zur intraoperativen Anwendung von kaltem Argon Jetplasma in der Gefäßchirurgie
Eine aktuelle Pilotstudie der Universitätsklinik Köln zeigt erstmals, dass die Anwendung von kaltem atmosphärischem Plasma (CAP) während gefäßchirurgischer Eingriffe bei Risikopatient:innen das Potential hat, revisionspflichtige Wundheilungsstörungen deutlich zu reduzieren. Die Ergebnisse wurden jetzt im Journal of Clinical Medicine1 veröffentlicht.
In der Pilotstudie wurde untersucht, ob eine kurze, kontaktlose Behandlung der Wundränder (nach Subkutan-Naht und vor Hautverschluss) mit dem Argon Kaltplasma Jet kINPen® MED das Risiko postoperativer Komplikationen bei Hochrisiko-Patient:innen mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit (pAVK) senken kann, also einer chronischen Durchblutungsstörung, bei der die Heilung chirurgischer Wunden häufig erschwert ist.
Insgesamt nahmen 50 Hochrisiko-Patient:innen teil. 25 von ihnen erhielten zusätzlich zu Standardversorgung eine einmalige CAP-Behandlung der Wundränder unmittelbar vor dem Hautverschluss, während 25 Patient:innen in der Kontrollgruppe nach dem Standardverfahren ohne Plasma behandelt wurden.
Die Ergebnisse sind bemerkenswert:
- Bei nur 8 % der Patient:innen in der CAP-Gruppe musste eine chirurgische Revision wegen schwerer Wundheilungsstörungen durchgeführt werden – gegenüber 32 % in der Kontrollgruppe
Diese Resultate deuten darauf hin, dass die intraoperative Anwendung von CAP das postoperative Risiko inguinaler Wundheilungsstörungen deutlich senken kann, ohne den chirurgischen Ablauf wesentlich zu verändern.
Hintergrund: Ein ungelöstes Problem in der Gefäßchirurgie
Wundheilungsstörungen, insbesondere im Leistenbereich, zählen zu den häufigsten und belastendsten Komplikationen nach gefäßchirurgischen Eingriffen. Sie führen zu längeren Krankenhausaufenthalten, höherer Sterblichkeit und erheblichen Folgekosten.
Klinische Studien zeigen, dass bei Patient:innen mit postoperativen Wundinfektionen die Sterblichkeit mehr als doppelt so hoch ist (9,3 % gegenüber 4,5 %). Die durchschnittliche Verweildauer verlängert sich von 12 auf 28 Tage. Auch die Behandlungskosten steigen deutlich – auf durchschnittlich 19.000 Euro im Vergleich zu 9.000 Euro bei komplikationsfreiem Verlauf2. Trotz moderner Operationstechniken blieb die Rate schwerer Wundheilungsprobleme bei Hochrisikopatient:innen über Jahrzehnte nahezu unverändert – teils mit Inzidenzen von bis zu 30 % 3,4,5,6,7
Die Forschenden um Dr. med. Ursula Werra (Universitätsklinik Köln, Klinik und Poliklinik für Gefäß- und Endovaskularchirurgie, Direktor: Univ.-Prof. Dr. Bernhard Dorweiler) prüften daher erstmals den Ansatz, ob eine einmalige präventive intraoperative Applikation von CAP zur Reduzierung inguinaler Wundheilungsstörungen beitragen kann.
Fazit und Ausblick
„Unsere Ergebnisse zeigen, dass der intraoperative Einsatz von Kaltplasma ein vielversprechender Ansatz sein könnte, um die Häufigkeit schwerer Wundheilungsstörungen bei Hochrisikopatient:innen zu verringern“, erklärt Dr. Ursula Werra, leitende Studienautorin. „Diese erste Pilotstudie liefert wichtige Hinweise darauf, dass die prophylaktische Anwendung von CAP die postoperative Wundheilung positiv beeinflussen kann – sicherlich insbesondere auch durch den antibakteriellen Effekt.“
Da es sich um eine Pilotstudie mit begrenzter Fallzahl handelt, betonen die Autor:innen ausdrücklich die Notwendigkeit größerer, multizentrischer, randomisierter Studien, um die Ergebnisse zu bestätigen und den klinischen Nutzen weiter zu evaluieren.
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2strom – Die Healthcare Agentur
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Über die Studie:
Die vollständige Publikation ist hier abrufbar:
https://www.mdpi.com/2077-0383/14/21/7533
Quellenverzeichnis:
- Ursula E. M. Werra , Wael Ahmad, Michael Schoepal, Tran T. Trinh and Bernhard Dorweiler (2025). Intraoperative Application of Cold Atmospheric Plasma Reduces Inguinal Wound Healing Disorders — A Pilot Study. J Clin Med. 14 (7533)
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